Der heutige Tag widmeten wir voll und ganz dem Thema Apartheid. So trafen wir uns nach dem Morgenessen im District Six Museum mit Renate. Céline hatte Renate im Café eines Buchladens kennengelernt, wo diese als Kellnerin arbeitete. Da sie sich jedoch künftig als Tourguide betätigen möchte, waren wir heute ihre Testgruppe.

Der District Six, beziehungsweise dessen Räumung war ein typisches Beispiel aus dem Apartheid-Regime. Der östlich des Stadtzentrums gelegene Bezirk war ein multikultureller Stadtteil, wo ca.60.000 Menschen verschiedener Rassen in einer lebendigen, bunten Gemeinschaft lebten.

Auf Grundlage des Group Areas Act von 1950 erklärte die Regierung um 1966 District Six zu einer „weißen Zone“, da angeblich zu viel Kriminalität von dem Stadtteil ausging. 1968 ordnete die Regierung die Zwangsumsiedlung der Schwarzen und Coloureds an. Der Bezirk wurde vollständig geräumt und die Häuser abgerissen. Die Bürger wurden, je nach Hautfarbe, in die Townships in den Cape Flats, einer Sandebene östlich der damaligen Stadt, umgesiedelt. Bis 1982 wurden so über 60.000 Menschen aus dem District Six vertrieben. Das Gebiet sollte von Weißen besiedelt werden, blieb aber lange Zeit unbebaut.

Im Museum begrüsste uns die quirlige Renate sehr herzlich und erklärte uns äusserst engagiert die ganze Geschichte des District Six. Anschliessend konnten wir uns im Museum umschauen. Besonders eindrücklich waren die ausgestellten Koffern, welche zeigten, was die Vertriebenen in höchster Eile zusammenpackten, bevor sie ihr Zuhause verlassen mussten. 

Nach dem Museum machten wir eine Rundfahrt durch den Bezirk und am Mittag besuchten wir in Zonneblom Rose, eine 76-jährige Couloured, welche die Zwangsumsiedelung mitmachen musste, seit 2005 jedoch durch ein Programm der Anti-Apartheid-Regierung vom Township wieder in ihre alte Heimat zurückkehren durfte. Sie lebt nun mit ihrer Tochter Joann und deren 2 Adoptivtöchtern gemeinsam in einer Wohnung. Ihre Erzählung war sehr beeindruckend und emotional und während einem gemeinsamen Mittagessen, einem Teigwarensalat, den wir mitgebracht haben, konnten wir Rose Fragen stellen und uns mit allen austauschen. Nach einem herzlichen Abschied fuhren wir in die Cap Flats Richtung Muizenberg, wo wir das Township Lavender Hill besuchten, in welchem Rose über 30 Jahre lang gelebt hatte. Renate erklärte uns, dass ein Besuch tagsüber und während Wochentagen relativ sicher sei, man aber einfach wachsam sein soll. Zu anderen Zeiten oder während den Wochenenden nähme jedoch die Gewalt durch den allgegenwärtigen Alkohol- und Drogenkonsum stark zu und es komme häufig auch zu Drogenkriegen. So wurde erst im August 19 gerade ein 6-jähriges Mädchen von einem Querschläger getötet, als es plötzlich zwischen die Fronten von zwei Drogengangs geriet https://www.iol.co.za/weekend-argus/watch-lavender-hill-girl-shot-dead-while-playing-outside-her-home-31267065 .

Auf den Besuch eines zweiten Townships verzichteten wir dann. Erstens weil es uns bezüglich Sicherheit doch nicht so wohl war und andererseits weil wir es anstossend fanden, diese spezielle und ursprünglich durch uns Weisse verursachte Lebensform und Armut einfach so sensationslüstern betrachten zu wollen.

So fuhren wir durch das kein Kilometer entfernte Villenquartier an den nicht weniger weit entfernten Strand von Muizenberg, dem grossen Surferparadies mit den bekannten farbigen Strandhäusern. Da gönnten wir uns einen Kaffee und diskutierten mit Renate über das Leben in unseren Heimatländern. Es war sehr spannend und auch lustig und wir hatten jede Menge Spass, der auch nicht endete, als wir zurück in Capetown den Summermarket (eine Art Weihnachtsmarkt) im Companys Garden besuchten. Erstaunlicherweise gab es da auch einen Stand mit Swiss Chocolate und wir konnten Renate mit 2 Packungen Lindor-Kugeln einen Traum erfüllen. Eine weitere Überraschung war, dass es in Capetown anscheinend eine Wale-Street gab, was Nico besonders freute. Auf einen Tipp von Nico hin fuhren wir zum Restaurant Gold http://goldrestaurant.co.za/ , in dessen Nähe wir unser Auto unter der Obhut des Kongolesen Nick abstellten. Dieser machte uns darauf aufmerksam, dass das Auto in Fahrtrichtung geparkt werden solle. Schliesslich sei man hier in South Africa und nicht in Deutschland, wo jeder machen könne, was er wolle😉. Im Gold genossen wir ein sehr feines und abwechslungreiches Menü, das Spezialitäten aus zahlreichen afrikanischen Ländern enthielt und mit afrikanischer Musik und Tänzen begleitet wurde. Zum Schluss hatte ein Tänzer besonders Freude, da er sein getragenes Hemd an Nico verkaufen konnte, dem dieses so gut gefiel. Wir lernten: Afrikaner gehen auf fast jedes Geschäft ein, sei es noch so ungewohnt. Weiter lernten wir, dass auch beim hyperaktivsten Tourguide mal die Batterien leer sind. Renate verabschiedete sich nach dem Hauptgang zu einem Nickerchen auf dem Sofa hinter unserem Tisch. Kein Wunder, wenn man so viel plaudert wie sie😂. Wir weckten sie und fuhren sie anschliessend nach Hause, wo wir uns bei ihr sehr herzlich für die kompetente Führung bedankten und uns von ihr verabschiedeten. Ein weiterer, beeindruckender Ferientag ging seinem Ende entgegen.