Nach einer stürmischen Nacht, in welcher es in "unserem" alten Manoir durch einige Ritzen pfiff, empfing uns heute Morgen die Sonne und ein strahlend blauer Himmel. So machten wir uns nach Frühstück und Checkout hochmotiviert auf den Weg zu den Landungsstränden von D-Day Omaha, Gold, Juno und Sword (Utah liessen wir aus).
Es war am 6. Juni 1944, also fast ein Jahr vor der Kapitulation Hitlers, als diese Strände der Normandie zum Schauplatz des militärischen Manövers "Overlord" wurden. Tausende von Soldaten landeten an jenem Tag in der Normandie, um Hitlers Streitmächte aus dem besetzten Frankreich zurückzudrängen. Drei Monate sollten die Kämpfe anhalten und an ihrem Ende hatten beide Seiten eine beträchtliche Zahl an Todesopfern zu beklagen.
Den ersten Zwischenhalt machten wir bei der Pointe du Hoc, wo eindrücklich zu sehen war, wieviel Mut und Zuversicht, aber auch wie viele Todesopfer der Alliierten nötig war, um die Steilklippe unter dem deutschen Dauerbeschuss zu erklimmen.
Ebenfalls eindrücklich die grossen Krater von Einschüssen, die erahnen liessen, welches Inferno damals vorherrschte. Heute ist überall Gras drüber gewachsen und es blühten gerade die Schlüsselblümchen.
Den nächsten Stopp legten wir beim amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer ein. Das Visitor-Center zeigte bedrückende Einzelschicksale von damaligen Soldaten und beim Ausgang des Centers werden die Namen aller über 9000 Gefallenen vorgelesen, deren Grabsteine mit Kreuz oder Judenstern nachher auf dem Rundgang über den Friedhof in Reih und Glied aufgestellt waren.
Nach den beiden ersten erdrückenden Zwischenstopps war der Dritte in Arromanches-Les-Bain vor allem von der logistischen Meisterleistung der britischen Ingenieure geprägt. In absolut geheimer Mission wurden in England 3 Prototypen für künstliche Häfen geprüft und das Modell Wal als Mulberry A und B dann schlussendlich ebenso geheim gebaut und im Juni 1944 mit 5 km/h über den Ärmelkanal gezogen, wo einer davon in Arrimanches zusammengesetzt wurde. Zig Hundertausend Tonnen Material wurde schlussendlich über diesen Hafen in die Normandie transferiert, rund 1/4 der gesamten Logistik der Alliierten. Der Hafen blieb dann rund 3 Monate in Betrieb bis andere grössere bestehende Häfen erobert wurden und er somit nicht mehr von zentraler Bedeutung war. Ob ohne diesen Hafen die Invasion geglückt wäre, muss stark in Frage gestellt werden. Das hat wohl auch Churchill gewusst, als er den sich im Betrieb befindlichen Hafen besuchte. Mit künstlichem Nebel, Dutzenden von Flugabwehrgeschützen und weiteren Massnahmen wurde der "heilige" Hafen vor deutschem Angriff beschützt.
Heute hat Arromanches auch anderes zu bieten, nämlich gute und gemütliche "Beizlis" und so genossen wir das Mittagessen an diesem geschichtsträchtigen Ort.
Danach fuhren wir auf direktem Weg nach Trouville sur Mer, wo wir im Hotel Flaubert unser Zimmer bezogen.