Nach dem morgigen Blick aus dem Fenster entschieden wir uns, nichts zu überstürzen. Wind und Regen waren allgegenwärtig und der nahe gelegene Mont St- Michel war heute Morgen nicht mehr zu sehen. Wir genossen somit erst mal das feine Frühstücksbuffet und vertieften uns in unsere Dupin-Lektüren. Der Hausmeister meinte dann, dass sich gegen Mittag eine Gruppe mit Helikopter angemeldet hätte, was uns nicht allzu sehr erstaunte, weil wir gelesen haben, dass das Manoir über 4 Helikopterlandeplätze verfügte. Bis zum Mittag sei das Wetter somit wieder ok. Das Wetter blieb zwar bretonisch oder normannisch unbeständig, dennoch entschlossen wir uns, kurz nach dem Mittag zu einem Besuch des ca. 9km entfernten MSM und parkten da weit vorne in der Nähe der Navettes. Trotz ungewisser Wetterlage entschieden wir uns, den Weg über den Damm zu Fuss zu begehen und wurden tatsächlich mit aufkommender Sonne belohnt. Die Sicht auf den MSM mit seinen ca. 30 Einwohnern im Département Manche in der Region Normandie (somit wäre auch geklärt, dass er nicht zur Bretagne gehört) war überwältigend. Die Insel, die nach dem Erzengel Michael benannt hat einen Umfang von rund 830 m und ist nur etwa 55.000 m² groß. In der Nähe befinden sich die Mündung des Couesnon, die Stadt Avranches und die Grenze zur Bretagne. Die ohne Bauten 92 Meter hohe Insel ist bekannt für die Abtei Mont-Saint-Michel. Die befestigte Abtei dominiert die kleine Insel und ist ein Beispiel für den normannischen Baustil. Im Kloster lebten bis in die 1960er Jahre Benediktiner und seit 2001 sind ebenfalls wieder Ordensleute auf dem MSM einquartiert.

Der Mont hat sich zu einer großen Touristenattraktion entwickelt, er wird jährlich von etwa 2,3 Millionen Menschen besucht. 

Heute waren zum Glück verhältnismässig nur sehr wenige Touristen unterwegs, so dass wir die Zeit auf dem MSM sehr geniessen konnten. 

Seit 1979 gehören der Berg und seine Bucht zum Weltkulturerbe der UNESCO. 

Nach der Legende erschien dem Bischof Aubert von Avranches im Jahre 708 der Erzengel Michael mit dem Auftrag zum Bau einer Kirche auf der Felseninsel. Aber der Bischof folgte der mehrfach wiederholten Aufforderung nicht, bis der Engel ihm während des Schlafs mit seinem Finger ein Loch in den Schädel brannte; medizinhistorischen Untersuchen zufolge wurde hier eine zerebrale Zyste durch Aufbohren des Gehirns behandelt. Im Zeitraum 708–710 ließ Aubert ein erstes Sanktuarium zu Ehren des heiligen Michael auf dem Berg errichten. Danach wurde der MSM zu einem strategisch wichtigen Platz für die fränkischen Könige und später eine Festung. Seit den ständigen Angriffen der Wikinger überließ der König die Halbinsel den Bretonen, die bedeutende Erfolge in ihrem Kampf gegen die Nordmänner erzeugten. Das war der Beginn der kurzen bretonischen Geschichte des Monts.

Im Jahr 933 annektierten die Normannen die Halbinsel Cotentin, wodurch der Mont strategisch noch bedeutsamer nun an der Grenze zur Bretagne lag. Eine erste Kirche im vorromanischen Stil wurde errichtet, und die festungsartige Insel widerstand den Raubzügen der Wikinger. 

965/966 gründete eine Gruppe von Benediktinermönchen das Kloster. In den folgenden Jahrhunderten finanzierten Herzöge und Könige die großartige Architektur des Klosters und dessen stetiger Ausbau.

Die Sicht von der zuoberst gelegenen Klosteranlage auf das rundum liegende Wattenmeer und Meer ist gewaltig. Besonders eindrücklich auch die dicken Säulen, welche die Last der sakralen Bauten tragen müssen. 

Nach einem Kaffee machten wir uns auf den Rückweg, den wir wegen wieder einsetzendem Regen diesmal per Bus unter die Räder nahmen. Ein weiterer eindrücklicher Tag neigt sich dem Ende entgegen. Zum Nachtessen gab es einen frisch zubereiteten Hummer sowie Hühnchen. Danach startete die bald schon obligate Jassrunde.