Grau und verhangen zeigte sich der neue Tag, doch es regnete zum Glück nicht mehr und beim Morgenessen war es auch bedeutend ruhiger als gestern. Das waren doch schon mal gute Vorzeichen für den bevorstehenden Tag. So starteten wir nach dem Check-Out unsere Tour und verliessen Selfoss in Richtung Osten. Da das Wetter im Hochland sehr wolkenverhangen war und an der Küste erste Lücken in der Wolkendecke zu sehen waren, entschlossen wir uns dafür, statt die Hochlandtour in Richtung Landmannalaugar auf der Ringstrasse der Küste entlang zu fahren. Auch da gab es äusserst viel zu sehen. Neben ausgedehnten Pferde- und Schafweiden, eindrücklichen Bergkegel und langgezogenen Sanderstreifen gab es auch hier wunderschöne Küstenabschnitte und Wasserfälle zu sehen. Den ersten Halt machten wir bei der Fährestation, wo man auf die Westmännerinseln rüber fahren könnte. Wir genossen den schwarzen Sandstrand und den wunderbaren Blick auf diese schöne Insellandschaft vulkanischen Ursprungs südlich von Island, deren Namen auf wikingische Wurzeln zurückzuführen ist. Von der Küste fuhren wir wieder nordwärts und erreichten bald einmal den Seljalandfoss, ein 66m hoher Wasserfall, den man umwandern kann, also auch von der Rückseite bestaunen kann. Als Ersatz für die verpasste Hochlandtour erhielt Fahrer Thomas dann die Gelegenheit, doch noch eine Offroad-Tour unter die Räder zu nehmen. Die Route 249 führte uns Richtung des berüchtigt-bekannten Vulkan Eyjafjallajökull und dessen Gletscher. Dabei gab es ca. 10 Flüsse zu durchqueren, was absolut abenteuerlich aber auch eine super schöne Erfahrung war. Bei der ersten Furt zitterten uns noch etwas die Knie, doch schon bald waren wir uns sicher, ein Amphibienfahrzeug zu besitzen und fragten uns, wieso in Island überhaupt noch Brücken gebaut wurden ;-)  In Porsmörk hat der naturbelassene, weit verzweigte Gletscherfluss Krossá ein Bett zwischen die beiden Gebirgszüge gegraben. In dem geschützten Tal der Krossá und an den ihn umgebenden Hängen gibt es eine grüne Vegetation aus Moosen, Farnen und lichtem Birkenwald. Unterwegs an einem Flussbett assen wir ein Picknick und fuhren dann zurück in Richtung Ringstrasse, wo uns der nächste Höhepunkt, der Skogafoss erwartet. Wie der Seljalandfoss ist dieser entstanden, weil sich die Küstenlinie nach der Eiszeit nach Süden zurückgezogen hat und es an der Südküste Islands zu einem Felsabbruch kam. Ca. 300 Stufen kletterten wir hoch, um den Skogafoss auch von oben zu beobachten und hatten dabei einen wunderbaren Ausblick auf die Südküste bis zu unserem Reiseziel Vik. Dorthin fuhren wir dann auch, machten aber noch einen Abstecher zum Gletscher  Sólheimajökull, den wir schon von der Ringstrasse aus sahen. Zwar nicht so schön wie der Aletschgletscher, doch gleich wohl irgendwie beeindruckend zeigte uns dieser Riesengletscher auch kleine Eisberge im Gletschersee und war voller schwarze Pusteln, als ob er Windpocken hätte. Diese stammen von Vulkanasche, die sich mit dem Eis vermischt hat und darum weniger schnell schmilzt als das normale Gletschereis rundherum. Unsere letzte Reiseetappe führte uns nach Vik, wo wir vergeblich ein schönes Restaurant mit Meeresblick suchten. Also fuhren wir halt an den Strand, beschlagnahmten kurzerhand den einzigen Picknick-Tisch weit und breit und genossen ein herrliches Nachtessen bei Sonnenschein und schon fast schon sommerlichen Temperaturen direkt am Strand. Danach deckten wir uns im nahegelegenen Grocery Shop mit neuen Lebensmitteln ein und fuhren zu einem Tipp, den Michelle erhalten hat, dem Reynisfjara, einem riesigen Basaltfelsen in der Nähe von Vik. Nebst der eindrücklichen Felsformation sahen wir zum ersten Mal auch Papageientaucher in Action sowie deren Nistplätze an den Steilklippen. Von all den Eindrücken des heutigen Tages überwältigt, trafen wir auf dem Bauernhof Steig ein, wo wir heute unser Nachtlager beziehen werden. Obwohl der Bauernhof ziemlich mitgenommen ausschaut, waren der Gebäudetrack mit den Gästezimmer sehr schön und gepflegt. Sowieso stellten wir in unseren ersten Reisetagen in Island fest, dass die Isländer starken Pragmatismus an den Tag legten. Die Häuser und auch vieles andere waren meistens sehr einfach aber zweckdienlich eingerichtet und auch sonst hatte man häufig den Eindruck, dass einfach gemacht ist, aber funktioniert. WLAN hat man ohne Code und ohne Aufpreis in einer guten Qualität. Da muss man an der Reception nicht mal drüber sprechen. Des Weiteren stellten wir fest, dass die Winter in Island wirklich lang sein müssen, denn so viele Heuballen, wie die isländischen Bauern jetzt im Sommer gerade produzieren, würden bei einem Schweizer Bauern wohl für 10 Jahre reichen. Und wenn wir schon bei der Landwirtschaft sind, eine weitere Entdeckung von heute: Nicht nur die Pferde und Schafe sind generell kleiner als bei uns, sondern auch die Kühe. Wir kreuzten sie heute auf der Strasse und ihr Kopf war gerade auf Autofensterscheibenhöhe ;-) Mit einem wunderbaren Blick auf die weiten Sanderebenen des Südens vom Bett aus, schliessen wir den heutigen Tag ab.