Nachdem wir heute mal bis 8 Uhr ausgeschlafen hatten, genossen wir ein feines Morgenessen auf unserem Bauernhof. Nach einem kurzen Kartenstudium und der Planung des heutigen Tages fuhren wir los Richtung Südosten. Extrem weite Sanderebenen wechselten sich mit Lavaflächen ab, dazwischen immer wieder Weideland und sehr selten ein Bauernhaus. Kilometerweise die selbe Szenerie, so dass wir bald einmal beschlossen, dem ein Ende zu setzen und einen Abstecher ins Hochland zu machen. Auf einer Jeeppiste fuhr diesmal Karin Richtung Laki-Vulkan. Der Ausbruch dieses Vulkanes vom 8. Juni 1783 bis zum 7. Februar 1784 war eine Naturkatastrophe sondergleichen, verwüstete einen erheblichen Teil des südlichen Island und hatte auch Auswirkungen auf das gesamte globale Klima. Wegen des dadurch hervorgerufenen vulkanischen Winters kam es weltweit zu Missernten und Massensterben. In Island selber starb in Folge dieses Ausbruchs ca. 1/5 der Bevölkerung durch Hunger.
Auch auf dieser Strecke gab es eine Furt zu passieren, was für Fahrerin Karin jedoch kein Problem war. Direkt nach der Furt, sollte gemäss Beschreibung der wunderschöne Wasserfall Fagrifoss zu finden sein. Doch diesen haben sie wohl heute eingezogen. Das einzige was wir sahen, war eine rostbraune Spur, wo eventuell einmal Wasser geflossen war. Doch die Tour war auch ohne Wasserfall beeindruckend. Zurück auf der Ringstrasse ging die Reise weiter nach Skaftafell. Immer mehr Gletscher waren von der Strasse aus zu sehen und ihr Vater ist der Riesengletscher Vatnajökull, der einen Achtel der Fläche Islands bedeckt. Einige dieser Gletscher kamen oftmals bis in Meeresnähe. Beim Skaftafell machten wir Mittagspause und unternahmen dann eine Wanderung im Nationalpark zum Svartifoss einem weiteren schönen Wasserfall, der seinen Namen von den schwarzen Basaltsteinen erhielt, vor welchen er runterdonnerte. Heute sahen wir auch die ersten Grassodenhöfe, die früher eine gute Isolation sichergestellt haben. Unsere letzte Reiseetappe war die Gletscherlagune Jökulsarlon und sie bildete wohl einer der Höhepunkte unserer Islandreise. Der Gletschersee ist mit zahlreichen Eisbergen bestückt, die teilweise durch den Abfluss bis ins Meer gelangen. Immer wieder kippt ein Eisberg um, weil das Salzwasser seinen Unterwasserbereich zerfrisst, er das Gleichgewicht verliert und so instabil wird. Ab und zu sieht man auch den Gletscher kalben. Auf dem Jökulsarlon wurden mehrere Filme gedreht, u.a. der James Bond „Die another Day“, für welchen die Eisschicht damals zu wenig dick war, so dass die Verbindung zum Meer bei der Brücke dicht gemacht wurde, damit das Eis ohne Meerwasser schneller dicker werden konnte. Wir hatten von zuhause aus eine Zodiac-Tour gebucht und wurden als erstes mit einem warmen Kombi und einer Schwimmweste ausgerüstet. Nach einem kurzen Fussmarsch bestiegen wir mit ca. 10 anderen Gästen das Zodiac und fuhren auf die Gletscherlagune raus. Ein unbeschreibliches Erlebnis war es, zwischen den Eisbergen hindurch zu fahren, Robben zu sehen und einfach die schöne Stimmung auf dem See zu geniessen. Wir fuhren bis dicht an den Gletscher heran und hörten zweimal, wie sich Eis von ihm löste. Viel zu schnell war nach über einer Stunde die Fahrt schon wieder fertig. Um nicht sofort wieder von diesem wunderbaren Ort Abschied nehmen zu müssen, beschlossen wir, unser Picknick heute im warmen Auto aber mit Sicht auf die Lagune zu geniessen. Danach ging es jedoch endgültig weiter zu unserem heutigen Hotel Brunnholl 586 kurz vor Höfn. Da erwartete uns wiederum ein Bauernhof, aber diesmal noch schöner und gepflegter als der gestrige. Der Hof bietet auf einer Seite einen Ausblick auf gleich 3 Gletscher und auf der anderen Seite auf das Meer. Wir haben Meerblick gewählt. Heute war uns der Wettergott milde gestimmt. Bei ca. 13° C regnete es ab und zu, aber meistens nur dann, wenn wir eh gerade im Auto hockten. Bei der Wanderung und auch während der Zodiac-Tour hatten wir regenfreie Zeit und manchmal blickte gar die Sonne hinter den Wolken hervor.