Einmal mehr machten wir heute das Programm vom Wetter abhängig. Die Schönwettervariante sah eine 4x4-Tour ins Hochland zum Vulkankrater Askja vor, während dem die Schlechtwettervariante Baden im Myvatn Nature Bath und danach die weitere Erkundung dieses Seengebietes beinhaltete. Beim ersten Blick aus dem Fenster war klar, dass eine Hochlandtour heute nicht in Frage kam. So fuhren wir nach dem Morgenessen ein paar Kilometer zurück und besuchten das geothermische Bad beim Myvatn. Bei 10° C, einem kräftigen Wind und Regen war es das optimale Programm und wir genossen das Bad in diesem 36 – 40-gradigem Wasser mit Ausblick auf die Myvatn-Gegend. Zudem waren wir so früh dran, dass wir das Bad fast alleine für uns geniessen konnten. Das freute uns umso mehr, als dass wir gestern Hunderte Autos auf dem Parkplatz dieses Bades gesehen haben, was uns dann abschreckte. Speziell war auch das Dampfbad mit geothermischem Dampf ganz tief aus der Erde raus. Nachdem wir gelesen haben, dass der Durchschnittbesucher zwischen 20 min und 2 h in diesem Bad verbringt, stellten wir mit Genugtuung fest, dass wir mit 1 ¾ h voll im Schnitt waren ;-) Nach dem Bad fuhren wir zum Vulkansystem Krafla, das sich auf einer Länge von 100km erstreckt und bei Myvatn mit dem eigentlichen Vulkan beginnt, der 818m hoch ist und zum letzten Mal 1984 ausgebrochen ist. Der Kratersee Viti sahen wir dann leider aufgrund des Nebels nur teilweise. Auf der Rückfahrt besuchten wir das Besucherzentrum beim Krafla-Kraftwerk und erfuhren viel Interessantes über die Stromgewinnung mit Erdwärme, die in Island ca. 30% ausmacht.
Direkt in der Nähe besuchten wir das Geothermalgebiet Námaskarð, in welchem während der Weltkriege Schwefel für die Schiesspulvergewinnung produziert und ab Husavik verschifft wurde. Das Gebiet zeichnet sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Thermalquellen, kochender Schlammtümpel und Schlammtöpfe, sowie Fumarolen und Solfataren aus. Das Mittagessen genossen wir im Vogafjos, einem ehemaligen Kuhstall, von welchem aus man über Sichtfenster in die anderen Kuhställe und die Melkanlage reinschauen konnte. Das Essen war mega lecker und basierte auf lokal gewonnen Lebensmitteln. Den Verdauungsspaziergang unternahmen wir mit der Besteigung des Pseudokraters Hverfjall, der sich vor etwa 2500 Jahren bildete, als sich aufgrund des Zusammentreffens von Magma und Grundwasser zu einer gewaltigen Wasserdampfexplosion kam. Die Lava am Hverfjall ist dadurch glasig erstarrt. Am Rande einer mächtigen Wasserdampfsäule, in der nichts absinken konnte, rieselte vulkanisches Lockermaterial herab, das diesen Ring von 1 km Durchmesser und 90-150 m Höhe bildete. Während dem Michelle von diesem Aussichtspunkt aus einige Fotos schoss, umwanderten Karin und Thomas den Kraterrand und genossen den Ausblick auf Myvatn bei nun ganz ordentlichem Wetter (will heissen ohne Regen und mit einigen Aufhellungen). Bei der Rückfahrt machten wir Halt in Skutustadir, wo es ebenfalls einige kleinere Pseudokrater und viele Wasservögel zu beobachten gab. Auf der Rückfahrt nach Fossholl staunten wir ab der Aussicht, die wir gestern wegen des vielen Nebels nicht sehen konnten. Erneut genossen wir ein feines Nachtessen und im Bett freuten wir uns schon auf die bevorstehende Walbeobachtungstour in Husavik, die wir heute per Mail um eine Papageientaucher-Besichtigungstour „geupgraded“ haben.